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STRATEGIE

Weniger ist mehr

Menschen fügen lieber Dinge hinzu, als sie abzuschaffen, selbst wenn die Ergänzungen zu minderwertigen Ergebnissen führen.

Ein in Nature veröffentlichter Artikel legt nahe, dass Menschen mit subtraktivem Denken zu kämpfen haben. Wenn man sie bittet, etwas zu verbessern – ein Lego-Bauwerk, einen Aufsatz, einen Golfplatz oder eine Universität -, neigen sie dazu, eher neue Dinge hinzuzufügen, als das Bestehende abzubauen, selbst wenn die Ergänzungen zu minderwertigen Ergebnissen führen.

Dazu ein Forschungsergebnis: Von 827 Vorschlägen zur Verbesserung, die der neue Leiter einer amerikanischen Universität erhielt, bezogen sich 581 auf neue Dinge, wie z. B. mehr Stipendien für Auslandsstudien. Nur 70 schlugen vor, etwas zu streichen, wie z. B. bevorzugte Zulassungen für Kinder von Ehemaligen.

Nachdem die Forscher festgestellt hatten, dass die Hinzufügung von Dingen tatsächlich beliebter zu sein scheint als die Abschaffung, galt es nun herauszufinden, warum. Eine Möglichkeit war, dass die Befragten zwar subtraktive Optionen in Betracht ziehen, sich aber bewusst dagegen entscheiden. Eine andere Möglichkeit war, dass sie gar nicht erst an sie dachten. Es wurde eine neue Reihe von Experimenten durchgeführt, jedes mit einer anderen Fragestellung.

Die Versuche, die Stimmung zugunsten der Subtraktion zu kippen, führten dazu, dass die Menschen eher bereit waren, sie auszuprobieren. Jedoch nur bis zu einem gewissen Punkt.

Die Aufforderung, einen Golfplatz eher zu verschlechtern als zu verbessern, änderte nichts an der Vorliebe für Ergänzungen. Die Übung verbesserte aber die Chancen der Teilnehmer, subtraktive Lösungen zu erkennen, was darauf hindeutet, dass viele einfach nicht an diese Möglichkeit dachten, zumindest nicht am Anfang.

Diese Schlussfolgerung wurde durch die Ergebnisse untermauert, die zeigten, dass die Menschen weniger geneigt waren, die Subtraktion zu versuchen, wenn sie unter «kognitiver Belastung» standen – mit anderen Worten, wenn sie gleichzeitig eine zweite, nicht verwandte Aufgabe zu erledigen hatten.

Fazit: Menschen sind nicht «rational», wie Ökonomen das Wort verwenden. Anstatt ein Problem zu durchdenken und eine ideale Lösung zu finden, neigen sie dazu, kognitive Abkürzungen zu verwenden, die schnell und – meistens – «gut genug» sind.

Wenn es darum geht, wichtige Probleme zu lösen, lohnt es sich deshalb, besondere Anreize zu setzten, um subtraktives Denken zu fördern und zu belohnen.

Quellen: «Why people forget that less is often more» The Economist 14. April 2021. Sie können die PDF-Version des Artikels über folgenden Link downloaden.

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