Der aktuelle Stand der Erfassung von Produkten und Leistungen, kurz Leistungserfassung, orientiert sich auch im 21. Jahrhundert praktisch immer noch analog zur dramentheoretischen Vorschrift von Aristoteles über die Einheit von Ort, Zeit und Handlung.
Die Leistungserfassung erfolgt am Ort der Leistungserbringung, möglichst zum selben Zeitpunkt und im Rahmen der Handlung der Leistungserbringung.
Allerdings hat schon Lessing sich 1775 im Theater von diesem Prinzip abgewandt.
Diese traditionelle Art der Leistungserfassung ist dort sinnvoll und zweckmässig, wo sie mit anderen Prozessen effizient verbunden werden kann, wie z.B. an einer Kasse, automatische Lagerabbuchung und gleichzeitige Verrechnung, in einer Produktionsstrasse wiederum mit Lagerabbuchung usw.
Bei Leistungen die von Menschen direkt am Menschen erbracht werden, wie Beratung, Betreuung, Pflege usw. ist die Leistungserfassung der Leistungserbringung oftmals hinderlich.
Andere weniger direkte aber nicht weniger valide Methoden sind gefragt.
Die Multi-Moment-Aufnahme stellt zu häufigen, zufälligen Zeitpunkten die jeweilige Tätigkeit bzw. Leistungserbringung fest. Bei genügend grosser Anzahl von Messpunkten im Verhältnis zur Diversität der Leistungen kann so zuverlässig der Anteil einer bestimmten Leistung an der Gesamtzeit ermittelt werden.
Bei der Erbringung von medizinischen Leistungen aller Art (ärztlich und pflegerisch) ist diese Methode bei genügender Anzahl Messpunkte allenfalls zur Feststellung einer Tätigkeitsverteilung beim Personal dienlich. Für Aussagen über die dem einzelnen Patienten zuzuordnende Leistung reicht die Dichte der Messpunkte kaum je aus.
Die Methode kann zur Verifikation von mittels anderen Methoden ermittelten Leistungen verwendet werden. Sie ist extrem zuverlässig, solange die Beobachteten die Methode nicht durchschauen und deshalb die Manipulationsmöglichkeiten nicht nutzen.
Bei regelmässigen Tätigkeiten ist die Erfassung nach Selbsteinschätzung unter bestimmten Bedingungen sehr zuverlässig.
Voraussetzung sind eine gewisse Regelmässigkeit, keine Anreize zur Fehlerfassung und die richtige Aggregationsstufe der Zeit- bzw. Leistungseinheiten.
Werden Zeitanteile auf ein festes Zeitbudget selber durch die Leistungserbringer verteilt so erreichen sie dabei eine hohe Zuverlässigkeit. Die geht parallel mit der Erkenntnis, das die Mitarbeiter sehr gut in der Lage sind ihre tatsächliche Tätigkeit einzuteilen, zuzuordnen und auch zu quantifizieren. Zur Verifikation dienen Quervergleich zwischen Arbeitsgruppen, innerhalb von Arbeitsgruppen oder mit durch andere Erfassungsmethoden erhobene Werte.
Dieses Konzept ist realisiert mit BetIP, der integrierten Betreuungsplanung für Behinderteninstitutionen mit gleichzeitiger Rapportierung nach NFA (neuer Finanzausgleich).
Sind aus anderen Systemen oder aus der klassischen direkten Leistungserfassung ausreichende Datenmengen vorhanden so können aufgrund weniger Parameter von Leistungsgruppen die gesamten Leistungsparameter extrapoliert werden mit einem Expertensystem.
Das Expertensystem kann alle Regelarten umfassen:
Mit dem Expertensystem können auch direkte Leistungserfassungen, sofern sie aus rechtlichen, marktlichen oder praktischen Gründen nach wie vor stattfinden, auf ihre Qualität geprüft werden.
Indikator für das qualitative Niveau der Leistungserfassung ist, in Übereinstimmung mit den Theorien und Methoden des Total Quality Management, nicht die absolute Zahl der gemessenen Abweichungen, sondern die Veränderung der Zahl der Abweichungen über die Zeit und die zeitlich nahe und sachlich richtige Behandlung der Messergebnisse. Qualitätsmanagement ist ein permanenter Prozess der aktiven Wahrnehmung von Mängeln, Analyse der Ursachen und Umsetzung der Erkenntnisse. Ein Indikator misst insbesondere die relative Veränderung des Qualitätsniveaus bzw. die Umsetzungsstärke.
30.10.2006 Dr. Theo Altorfer